Sonntag, 12. Juli 2009

LAST NIGHT - Tag 16 Tantris



Die Zwei Wochen sind um. Ich bin müde, glücklich und ein bisschen traurig. Aber vor allem freu ich mich auf meinen letzten Abend, weil ich dann im Tantris essen gehe. Morgens werde ich pünktlich um 7:30 in der Küche sein, die Vorbereitungen und den Mittagsservice mitnehmen, mich dann ausruhen, mir beim Friseur die Haare machen lassen um mir mit einem guten Gefühl einen opulenten Abend zu gönnen. Ich war vor meiner Zeit im Tantris noch nie in einem Sterne Restaurant, also wird das Dinner heute Abend eine absolute Premiere. Mein erstes "Sterne-Essen" in einem der besten Restaurants der Welt. Wow.
Ich will schön sein heute Abend. Ohne Kochjacke und Mütze. Ich entscheide mich für ein schlichtes schwarzes Wickelkleid und Pumps. Die Haare werde ich glänzend und zu einem geraden Bob geschnitten, tragen. Im Küchenalltag ergab meist nur eine Pumuckel Frisur unter der Kochhaube. Aber heute Abend bin ich Gast. Ich habe richtig Hunger. Der Abend wird fantastisch werden. Ich wechsele die Seiten. Was ich gestern zerlegt, zerschnitten und zerraspelt habe (oder dabei zugeschaut), wird heute in Perfektion auf meinem eigenen Teller landen. Ich muss euch sagen, es war sensationell.



Wir haben den Tisch um 19.30 reserviert. Mein Vater begleitet mich. Auch für ihn ist ein 2 Sterne Restaurant eine Premiere. Wir werden an unseren Tisch geleitet. Er liegt zentral und ist leicht erhöht. Ich halte ihn für einen besonderen Tisch. Wir bemerken die Menükarten, die für uns bereit stehen. Ich schlage sie auf und mir offenbart sich ein komplettes Menü das wie für uns geschrieben ist. Mit Widmung und allem drum und dran. Sechs Gänge sind dort aufgelistet. Es werden Gerichte sein, die ich komplett oder teilweise bereits am Pass probieren durfte, mit Speisen gemischt, die mir im Tantris unbekannt waren. Der Steinbutt mit Artischocken und geraspelter Foie gras ist mehrere Male an mir vorbei gerauscht ohne dass ich meiner Sehnsucht und Lust auf eine Kostprobe davon hätte erfüllen können: "Oh Teller bleib bei mir und lass das glasig, saftige Fischfleisch mit dem kühlen, schmelzigen Fett der Foie gras im meinem Mund eine Einheit bilden." Es gab sie, die Einheit.



Der Service ist umwerfend. Er ist unterhaltend, fein, sensibel, unaufdringlich und herzlich. Ich fühle mich so gut. Ich habe das Gefühl vor Freunde zu strahlen.

Es geht los mit zwei Ameuse Geule, die natürlich nicht auf der Karte auftauchen. Die Sardellen, die ich geputzt habe auf dem Curry Fenchelsalat und Sauerrahm Schaum und danach kommt die Rotbarbe, die nach Urlaub und Salzluft schmeckt. Hans hatte sie am Morgen mit mir ausgenommen. Ich erkenne die Produkte. Zu jedem Element auf dem Teller fällt mir eine Geschichte zur Zubereitung oder Rezeptur ein. Mein Vater staunt. Wir sind glücklich.



Es ist schwierig für mich zu beschreiben, wie grandios der Abend für mich war, wie sehr ich ihn genossen habe. Ich kann nur sagen, das Tantris hat mich glücklich gemacht.





Es klingt banal, aber ich schwebte auf einer Wolke von Genuss. 40 Jahre Sterne-Gastronomie- Geschichte steckt in diesen Mauern. Das schmeckt man nicht nur. Das Essen, der Service, die Atmosphäre und vielleicht auch der passende Wein, der zu jedem Gang kredenzt wurde, haben mich mich in einen Zustand der Verliebtheit versetzt. Als wenn man innerlich Achterbahn fährt und das Herz lacht.
Es war so wunderbar.